Gott sei Dank ist dies aber auch das einzig größere Manko des Spiels. Der Rest des Spin-Offs der berühmten Rollenspiel-Reihe reicht nämlich von okay bis sehr gut. Sehr gut ist vor allem die Geschichte und die darin involvierten Charaktere. Ironischerweise beginnt Tierkreis recht lahm. Der namenslose, 15-jährige Held aus dem Dorf Citro macht sich mit seinen Freunden auf den Weg, um in einem Wald ein paar Monster zu plätten. Unser Held kann sich an den Wald nicht erinnern, seine Freunde sind dagegen der festen Meinung, dass dieser schon immer dort stand. Was folgt ist klassische RPG-Kost: Im Wald findet er ein Buch, das ihm, Marica und Jale magische Kräfte verleiht. Die weiteren Mitstreiter, Liu und Dirk, sind davon allerdings nicht betroffen, zudem behaupten Marica und Jale urplötzlich, dass der Wald tatsächlich doch noch nie dort stand, wo er heute steht. Was als Fall für Mulder und Scully aus Akte X klingt, ist in Wahrheit die Arbeit eines erschreckenden Kults, welcher der Annahme ist, dass es keine Träume oder ähnliches gibt. Stattdessen ist der Weg jedes Lebewesens fest vorgeschrieben, Abweichungen werden nicht geduldet. Demzufolge ist eine Sünde davon zu träumen, ein Ritter zu werden, wenn das Schicksal dies nicht möchte. Bis der Held des Spiels allerdings seinen Wissensstand auf Vordermann bringt, vergehen Suikoden-typisch gut drei bis vier Stunden Spielzeit. Erst danach gelangt die spannende Geschichte richtig in Fahrt.
Selbstredend ist der Kult dem 15-jährigen Jungen ein Dorn im Auge, weshalb er beschließt, diesen zu stoppen. Hierfür muss er 108 Sterne des Schicksals finden und anschließend rekrutieren. Kenner der Serie wissen natürlich sofort bescheid: Das Grundgerüst der Geschichte ist das Gleiche wie im ersten Teil für die PlayStation 1. Konami hat es allerdings geschafft, eine gewisse Spannung und Faszination ins Spiel zu integrieren, die auf dem DS (mal vom Chrono Trigger abgesehen) ihres gleichen suchen. Einen Großteil tragen die vielfältigen Charaktere dazu bei. Freunde sind nicht gleich Freunde, Bösewichte nicht gleich Bösewichte. Im Verlaufe der Handlung geraten die einzelnen Motive der Charaktere ans Tageslicht. Man fiebert mit, man trauert mit. Selbst Randerscheinungen und Nebencharaktere weisen erinnerungswürdige Geschichten auf und sind ein Indikator dafür, dass diese Welt lebt und nicht einfach nur kreiert wurde. Richtig interessant wird es, wenn die Helden die Dimensionstore entdecken. Dachten alle Figuren, dass sie in einem einzigen Universum leben, entpuppt sich die Welt von Suikoden Tierkreis plötzlich als ein wahres Multiversum, welches bereist und erkundet werden möchte. Selbstredend sorgen diese Parallel-Universen für reichlich ärger, wenn plötzlich vertraute Charaktere sich komplett anders verhalten, als man es eigentlich gewohnt ist. Man kann Konami somit mehr als nur loben, denn die Geschichte von Suikoden Tierkreis bereitet einem so viel Freude, dass man den Nintendo DS gar nicht mehr aus der Hand legen möchte. Wenn da nicht die schlimmen, englischen Sprecher wären. Unser Tipp: Beachtet sie nicht, lest stattdessen die stimmungsvoll übersetzten Untertitel.
Eine gute Story macht allerdings noch kein gutes Spiel. Und während die Entwickler des Spiels mit einem alten Grundgerüst eine originelle Geschichte schreiben konnten, so versagen sie ein wenig mit dem eigentlichen Gameplay - Suikoden Tierkreis versinkt im 08/15-RPG-Sumpf. Während ihr die Welt bereist, erhaltet ihr immer wieder Missionen, die euch von A nach B führen. Unterwegs bestreitet ihr nervige Zufallskämpfe, in denen nur noch vier anstatt sechs Recken antreten. Da das durchaus reizvolle und interessante Runen-System der Vorgänger wegrationalisiert wurde, kloppen sich eure Party-Mitglieder nur noch mit physischen und standarisierten Magie-Angriffen. Ziel der Entwickler war es scheinbar, die Spiel-Mechanik sehr zu vereinfachen, was ihnen auch durchaus gelungen ist. Allerdings mutierten so die Kämpfe zur wahren Einschlafhilfe, weswegen ich öfters die automatische Kampf-Funktion nutzte als es mir eigentlich lieb war. Immerhin, und das ist auf meiner persönlichen Skala ein großer Pluspunkt, verzichtet Tierkreis auf das nervige „Grinding“, sprich das sinnlose herumstochern in der Pampa nach Monstern, um einen Level-Up zu schaffen und damit den Endboss des Abschnitts zu besiegen. Für wahre Hardcore-RPG-Fans mag so zwar die Herausforderung fehlen, ehrlich gesagt zeugen solche Abschnitte aber nur von schlechtem Balancing oder der Unkreativität der Entwickler, da sie künstlich die Spielzeit in die Länge ziehen. Tierkreis ist glücklicherweise nicht solch ein Genre-Vertreter und schafft es, zumindest während der Bosskämpfe die eine oder andere Taktik wie beispielsweise Kombo-Angriffe vom Spieler zu verlangen. Wirklich oft werdet ihr trotzdem nicht sterben, da selbst bei den Bosskämpfen der Schwierigkeitsgrad sehr niedrig angesetzt wurde. Deutlich flexibler als das Magie-System ist die restliche Ausrüstung der Charaktere. Serien-untypisch lassen sich nun beispielsweise die Waffen der Figuren austauschen, sprich ihr seid pro Charakter nicht mehr an eine Waffe gebunden. Unelegant gelöst: Die Speicherpunkte wurden schlecht platziert. Es gibt Momente, in denen ihr gute 20 bis 30 Minuten nach solch einem Punkt Ausschau haltet, zu einem anderen Zeitpunkt begegnet ihr innerhalb von fünf Minuten gleich zwei Speicherpunkten.Kennt ihr einen Freund, der ebenfalls nach den 108 Sternen in Suikoden Tierkreis Ausschau hält, dann könnt ihr mit ihm per Wi-Fi Connection einzelne Charaktere untereinander austauschen. Einerseits nützlich, da nicht alle 108 Sterne zum durchspielen benötigt werden (je nach Anzahl verändert sich das Ende), andererseits hätte man aus der Konnektivität durchaus mehr machen können. So hat sie lediglich den Anschein, dass die Entwickler unbedingt das blaue Wi-Fi-Connection-Symbol auf der Packung haben wollten. Ähnlich wie mit der tollen Geschichte, verhält es sich auch mit der Technik - Suikoden Tierkreis sieht schön aus. Ihr bewegt eure polygonreiche Figur durch wunderschön gezeichnete Bitmap-Areale, die zudem oftmals mit kleineren Animationen auf sich aufmerksam machen - herrlich. Ebenso herrlich sind die musikalischen Klänge, die mitunter auch ältere Serienvertreter erinnern und in keinem Vergleich zur miserablen, englischen Synchronisation stehen.


























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